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Jugendwerkstätten Umkehrschwung gGmbH
Oktober 2016

 

Mit Bedauern geben wir die Schließung der Jugendwerkstätten Umkehrschwung bekannt. Nach monatelangem Ringen mit Behörden, Ministerien und Politik ist weiterhin keine Förderung unserer Einrichtung in Sicht. Bereits Ende August 2016 lief unser Vertrag mit dem Jugendamt Dresden aus. In der Hoffnung noch Lösungen zu finden, ließen wir den Umkehrschwung in den vergangenen beiden Monaten aus eigenen Mitteln weiterlaufen. Diesen Zustand können wir nicht länger aufrecht erhalten, da wir eine geordnete Abwicklung gewährleisten möchten. Deshalb ziehen wir nun die Konsequenzen.

Hinter uns liegen 6 1/2 Jahre erfolgreicher Arbeit. Wir konnten viele jungen Menschen aus nah und fern auf ihrem Lebensweg positiv begleiten und stärken. Das Jugendamt Dresden stellte uns immer wieder beste Bewertungen unserer Arbeit aus.

Im April 2010 begannen wir aus bürgerschaftlichem Engagement und christlichem Glaubensfundament heraus zusammen mit unserem Team, benachteiligte Jugendliche auf ihrem Weg in Ausbildung und Beruf zu fördern. Daraus entwickelten wir uns in kurzer Zeit als Träger der freien Jugendhilfe und Mitglied im Dachverband des CVJM Sachsen, zu einem vollwertigen Mitglied der Jugendberufshilfe in Dresden. Zunehmend gelangten auch jugendliche Asylbewerber in unser Programm. Im Zuge der Flüchtlingskrise und auf Anfrage des Jugendamtes Dresden hin, öffneten wir unsere Einrichtung ab Herbst 2015 primär für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Die Flüchtlinge, die zumeist Analphabeten waren mit wenig bis keiner Schulvorbildung, erhielten qualifizierten Deutsch-Unterricht und Vermittlung handwerklicher Grundkenntnisse im Bereich Holz und Metall. Unser bestens qualifiziertes Team bestehend aus zwei Werkstatt-Fachanleitern, einer Deutsch als Fremdsprache-Dozentin und Sozialpädagogen, förderte und stabilisierte mit großem Engagement die jungen Männer. Dabei wurde uns unsere erfolgreiche Arbeit immer wieder von externen Fachleuten bestätigt.

Allerdings geriet der Umkehrschwung sehr bald in die Schusslinie zwischen Jugendamt Dresden einerseits und Sächsischer Bildungsagentur/Kultusministerium andererseits. Da es sich um unter 18-Jährige handelte, unterliegt der Bildungsauftrag und damit die Finanzierung aufgrund der Schulpflicht der Sächsischen Bildungsagentur/Kultusministerium. Das  Jugendamt Dresden sah sich deshalb nicht weiter in der finanziellen Verantwortung und erkannte darüber hinaus auch keinen weiteren Bedarf für ein solches Projekt. Damit lief der Vertrag zwischen dem Jugendamt Dresden und unserer Einrichtung Ende August endgültig aus.

Da sich diese finanzielle Patt-Situation ab Frühjahr abzeichnete, bemühten wir uns auf verschiedenen Ebenen um Lösungen zur Fortführung des Projektes, immer bereit das Projekt entsprechend zu modifizieren. Denn unserer Erfahrung nach besteht weiterhin Bedarf, die jungen Flüchtlinge speziell zu fördern und aufzufangen, wie in einschlägigen Berichten in den Medien ebenfalls nachzulesen ist. Die enge räumliche und personelle Verknüpfung aus fachlicher Wissensvermittlung, Deutsch-Unterricht und persönlicher Betreuung, wie sie in unserem Projekt realisiert wurde, gibt den jungen Flüchtlingen den persönlichen Halt und die Sicherheit, die sie in dieser fremden Kultur brauchen.

Gespräche mit entsprechenden Fach-Referatsleitern des Sächsischen Kultusministeriums, des Sächsischen Sozialministeriums und mit der Regionalstelle der Sächsischen Bildungsagentur führten zu keinen Ergebnissen, da sich unserer Beobachtung nach keiner unserer Gesprächspartner in der Verantwortung für ein solches Projekt sah. Vorgeschlagen wurde uns von Seiten des Sächsischen Sozialministeriums als mögliche Lösung mit offenem Ausgang, die Bewerbung für Förderprogramme für 2017.

Angestrebte Gespräche mit dem Oberbürgermeister und der Dresdner Sozialbürgermeisterin konnten nicht realisiert werden. Schriftlicher Kontakt zur Staatsministerin für Gleichstellung und Integration blieb folgenlos. Der Sächsische Ausländerbeauftragte bemühte sich um unser Projekt - ergebnislos.

Inzwischen war mit Ende August unser Vertrag ausgelaufen. Ein hochmotiviertes, bestens eingespieltes Team mit viel Erfahrung sah sich ab September mit der Tatsache konfrontiert, dass für seine  Expertise und Engagement kein Bedarf mehr bestand. Immer noch auf Lösungen hoffend, suchten wir im September/Oktober weitere Kontakte zu aktivieren. Mitte Oktober kam es auf Vermittlung unseres hiesigen Landtagsabgeordneten in unserer Einrichtung zu einem Treffen mit Vertretern der Agentur für Arbeit/Jobcenter unter Beteiligung des Jugendamtes. Dabei wurden wir seitens leitender Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit/Jobcenter darauf hingewiesen, dass wir uns unter Erfüllung vorgegebener Voraussetzungen natürlich auf Projekt-Ausschreibungen bewerben könnten, die Trägerlandschaft in Dresden aber gut abgedeckt sei und eigentlich kein wirklicher Bedarf für weitere Projekte dieser Art bestehe.

Fazit aller Bemühungen: man braucht die Erfahrung und das Engagement des Umkehrschwung-Teams nicht, weil kein Bedarf unter jungen erwachsenen Flüchtlingen für handwerkliche Förderung mit berufsbezogener Sprachvermittlung und persönlicher Stabilisierung besteht. Auch die Rückkehr zu unserem ursprünglichen Teilnehmerkreis, benachteiligte deutsche Jugendliche, ist aufgrund der im Frühsommer abgelaufenen Antragsfristen für Förderprogramme dieses Personenkreises nicht mehr möglich.

Aus dem Büro des Landtagsabgeordneten erhielt ich in diesen Tagen abschließend die Information, dass die Politik in vielen Fällen der Verwaltung gegenüber machtlos sei und aus diesem Grund seitens der Politik nichts für uns bewegt werden könne. Ob ich da richtig gehört habe?

Allerdings gibt es auch Gutes zu berichten. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Flughafens Dresden haben unsere Arbeit auf vielfältigste Weise unterstützt. Dafür bedanken wir uns aufs Herzlichste! Neben verschiedensten Aufträgen, kam es im Juni diesen Jahres über das 'Spende dein Pfand'-Projekt zu einer weiter vertieften Kooperation, an der auch Der Grüne Punkt-Duales System Deutschland GmbH beteiligt ist. Mit der Schließung wird leider auch die gute Zusammenarbeit zum Erliegen kommen.

Darüber hinaus bedanken wir uns bei der großen Zahl an Freunden und Unterstützern des Umkerschwungs, die uns über die Jahre aufs Unterschiedlichste mit Rat, Tat und Spenden zur Seite gestanden sind. Vergelt's Gott!

Wir verabschieden uns mit herzlichen Grüßen,

Martina und Alexander Mitwalsky


 

     


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